Sind PROMS im Praxisalltag praktisch?

Kaum ein Anlass zum Thema Qualität im Gesundheitswesen, wo nicht das Akronym PROMS (Patient-Reported Outcome Measure) fällt. Bei diesem Ansatz wird die selbstbezogene Gesundheitswahrnehmung von PatientInnen systematisch in die Qualitätsarbeit einbezogen. Theorie und wissenschaftliche Erkenntnisse sagen, dass so unter anderem die Beziehung zwischen ÄrztInnnen und PatientInnen gestärkt und langfristig mehr Wert in der Gesundheitsversorgung geschaffen wird. Diese Diskussion, wenn auch nicht neu, geht an der EQUAM Stiftung nicht spurlos vorbei. Wir möchten herausfinden, ob das Versprechen der PROMS in der ambulanten Medizin hält und praxistauglich ist.

 

Die Recherchen zu den PROMS führten uns zu ICHOM, zum Unispital Basel, zu einem Grundlagenpapier der FMH und zu Beiträgen verschiedenster Akteure im Gesundheitswesen an Veranstaltungen – unter anderem natürlich auch die Sichtweise des BAG. Im Nationalen Qualitätsbericht des Jahres 2019 hiess es auf Seite 54: „Patientenberichtete Indikatoren müssen in der nationalen Strategie einen hohen Stellenwert erhalten.” Auch kritische Stimmen fehlten nicht.

 

Unserer Einladung für die Teilnahme an einem Pilotprojekt folgten letztes Jahr drei Arztpraxen – in St. Gallen, Luzern und Bern. Im Februar geht es nun trotz der speziellen Corona-Situation los: PatientInnen in Bern und Luzern werden die Gelegenheit erhalten, im Wartezimmer auf einem Tablet einen kurzen Fragebogen auszufüllen. Es handelt sich um die Umsetzung eines standardisierten PROMS-Instrument, dem VR-12 (eine auch auf Deutsch validierte Kurzversion des SF-36 Fragebogens). Die 12 Fragen zielen auf die körperliche und seelische subjektiv wahrgenommene Funktionsfähigkeit. Zudem hat der Fragebogen einige Zusatzfragen zu den Werten der Patienten im Zusammenhang mit ihrer Gesundheitsversorgung. Beispielsweise wird gefragt: Was erhoffen Sie sich durch den heutigen Arztbesuch (‚what matters‘)? Ist die Versorgung am Lebensende eine Thema für Sie? Hat der letzte Arztbesuch geholfen?

 

Die Antworten werden anonym abgespeichert und können danach – wenn der/die PatientIn explizit einwilligt – durch einen dem/der bevollmächtigten ÄrztIn zugänglichen Code sofort auf einem Dashboard abgerufen werden. Dies als Momentaufnahme wie auch im Verlauf über die Zeit.

 

Funktioniert dies wirklich? Ist es praktikabel? Bringt es einen Mehrwert? Wir wissen es noch nicht!

 

Wir freuen uns, dass wir durch den Versuch einen Beitrag leisten können zur öffentlichen Diskussion in der Schweiz. Vielleicht wissen wir danach besser, was so nicht funktioniert… Oder vielleicht können wir danach eine Dienstleistung anbieten, welche PROMS in der ambulanten Gesundheitsversorgung der Schweiz als ein kostengünstiges und pragmatisches Instrument breit verfügbar macht.

 

Die Finanzierung des Forschungsbeitrags durch das Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie (WIG) am ZHAW wird durch einen Beitrag der Innovationsförderungsagentur Innosuisse ermöglicht.